"Der Teufel im Menschen" 1990


von Robert Lamoureux, Regie Jürg C. Maier

Über den Autor Robert Lamoureux gibt's nur sehr wenig Informationen, und je nach Quelle wird da eine Zusammenarbeit mit Edith Piaf im Jahr 1952 als der grosse Durchbruch (Text in einem Programmheft) oder das Mitspielen in einem unsäglich schlechten Rührstück (Kritiker in einem Kurzlebenslauf) vermerkt. Gesichert - da übereinstimmend - ist, dass Lamoureux am 4. Januar 1920 in Paris in eine Nichttheaterfamilie hinein geboren wurde, schon als Jugendlicher Sketches und Conferencen zu Papier brachte, mit Schreiben aber erst während des 2. Weltkrieges in Afrika richtig anfing. Zurück in Paris spezialisierte er sich auf Chansons und produzierte - sehr emsig - ein Lied pro Tag. In Ermangelung von Interpreten sang er diese – mit mittelprächtigem Erfolg - gleich selbst. Anfangs der 50er-Jahre begann seine Schauspielerkarriere und in den 60ern die als Autor. Seinem Vorbild Sacha Guitry nacheifernd, schrieb er nun selber Komödien, von denen "La Soupiere" (1971) unter dem Titel "Madame ist unmöglich" auch im deutschen Sprachraum erfolgreich aufgeführt wurde.

Mit "Mensch Teufel nochmal" gelang ihm - und das ist entscheidend für uns - ein humorvolles, mit feinen Seitenhieben und Hintergründigkeiten gespicktes Stück, welches auch in der Geschichte von den herkömmlichen Ehepaar- und Seitensprung-Strickmustern abweicht. In einer Temporärfirma für weibliches Büropersonal, die sich zur Aufgabe gemacht hat, vor allem auch Sekretärinnen älterer Jahrgänge zu vermitteln, geht alles seinen gewohnten Gang, und der Zuschauer merkt erst allmählich, dass das Geschehen auf der Bühne eben erst aus der Feder eines Schundheftromanautors fliesst. Der Teufel taucht auf und bittet ihn, ihm die Fäden der Story in die Hand zu geben. Als Gegenleistung verspricht er den Literaturnobelpreis. Der Schriftsteller wird schwach und schreibt die vom Teufel diktierte Geschichte nieder, und da gibt's nur ein Ziel: Ewige Verdammnis!

Jürg C. Maier, der erstmals bei uns Regie führte, ist zu diesem Thema einiges eingefallen. Vor einigen Jahren hängte er Schreibmaschine, Registrierkasse - und was man sonst so alles braucht als Kaufmann - an den Nagel und setzt fortan voll auf seine grosse Leidenschaft, das Theater. Seither arbeitet er - wie auch schon vorher - mit Amateurgruppen (Züri-Brätter, Theater-Team Zürich, Theatergruppe Einhorn Dübendorf) im Auftrag der Erziehungsdirektion als Theaterpädagoge mit Kantonsschülern, den Frauentheatergruppen Baden und Zürich (die via Bühne ihre Anliegen bekannt machen möchten) und ist Mitglied des Ensembles Kleintheater Ticino, Wädenswil (letzte Produktion: Statt Theater, ein Nummernmenu für anspruchsvolle Zuschauer) und I1 Soggeto, der Truppe von Regisseurin Franziska Kohlund, welche mit der neusten Produktion "Mister Pilk's Irrenhaus" kürzlich auch das Theaterhaus Gessnerallee eröffnete. Dass er neben allen diesen Aktivitäten noch Zeit fand, ein Einmannprogramm zu erarbeiten und auf die Bühne zu bringen, ist schon fast erstaunlich. Hat er mal noch etwas Zeit, schaut sich Jürg sehr gerne Bilder an, denn die Malerei ist eine weitere Kunstform, die er sehr mag. Da er auch gerne gut isst, ein Glas Wein durchaus schätzt und dadurch auch mal einen Diättag einlegt, ist wieder einmal mehr einer genau bei der richtigen Gruppe gelandet!